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Positionspapier
vom 23. Mai 2004 - Heidelberg
Arbeitskreis „Post-Autistische
Ökonomie“ •
Erste Frühlingstagung • „Versagen der
Wirtschaft?“
• 20.-23. Mai 2004 • Heidelberg
„Interdisziplinäres
Institut für Umweltökonomie“
Thesen
- Das Menschenbild des Homo Oeconomicus
ist autistisch:
Die sozialen und kooperativen Wesenszüge des Menschen bestimmen
ebenfalls
sein Handeln.
- Die in der Ökonomie
aufgestellten Theorien sind
nicht zeit- und geschichtslos gültig.
- Das wirtschaftliche Handeln des
Menschen ist als Teil
des Kreislaufs der Natur zu begreifen.
- Die vorherrschende
Wirtschaftswissenschaft ist nur ein
Blickwinkel auf die Wirklichkeit. Andere Disziplinen nehmen andere
Blickwinkel
ein. Zusammen genommen können sie die Wirklichkeit besser
erklären.
- Die Wirtschaftswissenschaften
verschreiben sich der Einhaltung
formaler Regeln. Die Urteilskraft in der Bewertung realer
wirtschaftlicher
Zusammenhänge nimmt dadurch ab. Eine Methodenvielfalt ist
notwendig.
- Die Lösung realer
gesellschaftlicher Probleme (Klimawandel,
Ungerechtigkeit, Verarmung, Arbeitslosigkeit usw.) wird derzeit von den
Wirtschaftswissenschaften vernachlässigt.
- Macht ist ein wesentlicher Faktor in der
Wirtschaft.
Sie sollte daher auch eine Größe in den
Wirtschaftswissenschaften
sein.
- Die methodische Orientierung der
Wirtschaftswissenschaften
an den Naturwissenschaften führt zu einer Vernachlässigung
des
kulturellen und gesellschaftlichen Kontexts.
- Einkommen ist nicht Lebensqualität.
Wohlfahrtsanalysen
greifen zu kurz. z.B. fließen politische Partizipation,
Zugangsmöglichkeiten
zu sozialen Einrichtungen, Bildung oder Selbstachtung nicht ein.
Forderungen
- Die Wirtschaftswissenschaften
sollen sich
ihrer Verantwortung
und Grenzen bewusst sein. Hierzu ist es nötig, dass
Entwicklung,
Prämissen und Kontext der Wirtschaftswissenschaften thematisiert
werden.
Deshalb fordern wir, dass in die Lehrpläne der
Wirtschaftswissenschaften
Inhalte folgender Fächer verpflichtend aufgenommen werden:
Wirtschaftsgeschichte,
Geschichte des ökonomischen Denkens, Wirtschaftsethik und
Wissenschaftstheorie.
- Die Vielfalt der
Wirtschaftstheorien soll
berücksichtigt
werden. Deshalb soll nicht nur die neoklassische Lehre, sondern ein
Überblick
von Ökologischer über Femministische Ökonomie und
Postkeynesianismus
bis hin zu marxistischen und institutionell-evolutorischen
Ansätzen
usw. vermittelt werden.
- Die Studierenden der
Wirtschaftswissenschaften werden
zu Technokraten erzogen. Deshalb muss die Herausbildung
eigenständiger
Positionen durch Diskussionen gefördert werden. Wir fordern, dass
Vorlesungen und Seminare in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.
Darüber hinaus verlangen wir, dass die Studierenden Einfluss auf
die
konkrete Ausgestaltung der Veranstaltungen haben.
- Der Austausch zwischen den
gesellschaftswissenschaftlichen
Disziplinen ist nicht vorhanden. Wir fordern interdisziplinäre
Veranstaltungen
an den sozial- und naturwissenschaftlichen Schnittstellen (Soziologie,
Psychologie, Politikwissenschaft, Philosophie, Ethnologie,
Ökologie
usw.).
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